Sonntag, 5. Oktober 2014

Über den ersten missglückten Versuch, als Zuhälter ein Ich zu finden


Nach dem Arnie-Müll etwas Besseres: ein weiterer Auszug aus dem hervorragenden Quantenf**k-Roman Kaffee mit Latte; die versprochene Leseprobe übers Kotzen verschieb ich.

Die folgende Leseprobe ist der direkte Anschluss an die Kotz-Szene (sie soll zeigen, wie verkehrt die moralischen Werte sein können, wenn man als Kind permanent verprügelt und damit negativ kognitiv geprägt wird):

Die Zeit: Mai, 1968.
Der Ort: Rom.
Das Geschehen: Andre hat eben seinen ersten Freier "befriedigt", jetzt ist es später Abend...


Josefa, die spindeldürre Römerin mit den hervorstehenden Zähnen, die manch­mal in unserer Bahnhofsrunde saß, für gewöhnlich aber an anderen Orten verkehrte, riss mich aus meiner Reverie, indem sie in meinem Blickfeld auftauchte und ziel­strebig auf mich zu ging, als ob sie mich schon gesucht hätte. Ich kannte sie als ruhig und lächelnd-ausgeglichen, jetzt aber war sie aufgeregt und fahrig. Nervös nahm sie mich auf die Seite und erzählte mir, dass sie eine Frau getroffen hätte, die, entehrt und deswegen aus ihrem Dorf ausgestoßen, nun auf den Strich gehen wollte. Und ich wäre der ideale Mann, sie dabei zu beschützen, meinte sie. Natürlich müsste ich ihr, Josefa, fünfzig Prozent des Gewinns geben. 
Obwohl die Geschichte der "Entehrten" mich an billige Groschenromane erinnerte, überlegte ich nicht lange und begann zu rechnen: Wenn die Nutte mir täglich zwanzigtausend Lire ablieferte, dann war ich nach einer Woche wohlhabend, nach einem Monat reich und nach einem Jahr stinkreich. Mein Ziel von Sonne, Südseestrand und Meer begann sich am Horizont abzuzeichnen.

"Wo ist sie?"

"Gleich hier in der Nähe, in einem Cafe. Sie ist aber total betrunken."

Wir brachen sofort auf. Josefa hängte sich bei mir ein und trippelte an meiner Seite. Ich spürte ihren knochigen Körper und überlegte, wie es mit ihr im Bett wäre, denn ich wusste von ihr, dass sie ab und zu selbst auf den Strich ging.

Als wir bei dem Cafe ankamen, bekam ich ein mulmiges Gefühl in der Bauchgegend. Mit aufgesetzter Forschheit trat ich ins laute Lokal. Josefa führte mich zu einem Flipper, an dem eine Frau lehnte. Sie war jung und hübsch, aber der Alkohol machte sie hässlich: Das also war "unsere" Frau. Sie ließ immer wieder unverständliches Zeug heraus, schimpfte auf nicht vorhandene Leute und belustigte die Zuhörer, meist Männer. Bullige Männer. Jetzt bekam ich grimmiges Bauchweh, dachte an einen Rückzieher, wollte aber auch nicht mein Gesicht verlieren. Also ging ich auf sie zu, bewusst niemandem in die Augen blickend. Und bemüht, etwas Arroganz in mein Auftreten zu legen, sagte ich forsch, mit einer vom Kotzen tiefen Stimme: "Namo!" (Gehen wir!)

Das hatte sie nicht gehört. Das hatte niemand gehört. Das hatten höchstens die bulligen Männer gehört, die mich gleich auslachen würden. Also sagte ich noch forscher: "Namo!"

Dabei packte ich sie an einem Arm, Josefa nahm mehr aus Verlegenheit ihren anderen, gemeinsam führten wir sie aus der Bar. Wieder sah ich keinen an. Ich glaube, wenn ich jemandem in die Augen geblickt hätte, dann wäre ich vor Angst auf der Stelle in Ohnmacht gefallen. Die Frau hing kurz in unseren Armen, dann ließ sie sich willenlos führen. Nach etwa zwanzig Metern fing sie wieder lallend zu schimpfen an, diesmal auf mich und Josefa. Sie hatte eine Fahne von enormen Umfang, mit säuerlichem Einschlag. Ekel übermannte mich, was jedoch den aufkommenden Machtgefühlen keinen Abbruch tat. Die Macht über diese Frau stieg mir in den Kopf, steigerte schlagartig mein Selbstwertgefühl.

Ich sagte: "Tutto va bene! " (Alles geht in Ordnung!)

Sie stierte mich an und schien diesen Satz zu reflektieren, kam aber wohl nicht ganz klar damit. Ich fragte mich, ob er grammatikalisch falsch, oder ob sie völlig hinüber war.

"Tutto va bene", wiederholte ich.

Wieder dieser stiere Blick, wieder schien sie mit leicht rollenden Augen im wackelnden Kopf zu überlegen, was diese Worte wohl bedeuten mochten, bevor sie in ihrem Rausch als bloße Laute untergingen.

"Wir bringen sie zu mir", sagte Josefa.

Teilweise ihren torkelnden Schritt dirigierend, teilweise sie schleppend, waren wir noch keine fünf Minuten weit von der Bar weg, als ich plötzlich merkte, dass uns jemand gefolgt war. Es war ein Mann aus dem Cafe. Jäh bekam ich Herzklopfen und einen trockenen Mund; vielleicht hatte ich schon vorher einen trockenen Mund gehabt, nach dem vielen Kotzen, aber jetzt erst fiel er mir auf, denn die Zunge klebte am Gaumen; und während ich schluckte und schluckte, suchte ich krampfhaft nach einem Ausweg.

"Senti, wohin gehst du mit meiner Frau?"

Er ist jetzt nah. Wir bleiben stehen, ich drehe mich um, stehe vor einem kleinen Süditaliener, der zu mir hochblickt und dennoch auf mich runterschaut. Etwas weiter hinter ihm sehe ich jetzt eine zweite Figur.

"Wer sagt das?" bringe ich mit gepresster und zu hoher Stimme heiser hervor.

"Ich!"

Er ist jetzt sehr sicher. Er wächst um einige Zentimeter. Oder werde ich kleiner? Er ist mir zu nah, ich kann nicht mehr denken, nur soviel weiß ich, dass ich eben einen Punkt überschritten habe, von dem ich nicht mehr zurück kann, also stelle ich mich.

"Und wer bist du?" kommt es aus meinem Mund.

Obwohl mein Herz rast, hab ich plötzlich keine Angst mehr, alle negativen Gedanken sind einer extremen Klarheit gewichen, ich seh der Gefahr ins Auge. Die Gefahr hat einen breiten Oberkörper und kräftige Arme, das ginge ja noch, aber die Gefahr hat sich verdoppelt: Die Figur aus dem Hintergrund ist näher gekommen und starrt mich böse an.

Dann läuft alles wie in einem Film ab, den ich nicht mehr beeinflussen kann: Ich sehe, wie Josefa das torkelnde Mädchen zu einem Wagen am Straßenrand schleppt, wie der andre Mann ihr nachgeht, wie der Typ vor mir einen Kinnhaken vortäuscht, wie ich die Hände hebe und voll einen Schlag in den Bauch bekomme. Unwillkürlich krümme ich mich, kriege plötzlich keine Luft mehr, die Lungenflügel kleben zusammen, ich japse, und die Zeit steht still. Unendlich still. Jetzt erst fällt mir auf, dass es später Abend ist, ja schon fast dunkel, eine verlassene Straße, schlecht beleuchtet. Dann explodiert ein Feuerball in meinem rechten Auge, kurz folgt ein Bewusstseinsaussetzer, dann spüre ich, wie mich etwas weich am Oberkörper und dann am Kopf berührt, eine ganze Fläche ist das, die mich da trifft, und so weich ist sie auch nicht mehr, richtig hart dröhnt sie nach. Und plötzlich wundere ich mich, wieso ich stehen kann und gleichzeitig mit meiner linker Seite steinern hart auf dem Gehweg liege. Wieder explodiert etwas an meinem Kopf, weiß explodiert es, und ich gehe schlafen...

Als ich wieder zu Bewusstsein kam, hatte ich das eigenartige Gefühl, schon seit geraumer Zeit wach zu sein. Denn seit geraumer Zeit hörte ich immer wieder die gleiche Stimme: "He, werd wach, die sind weg! Aufwachen!" Weit weg war diese Stimme, sie hallte seltsam.

Ich öffnete meine Augen und sah Manfred und Bernd, den sonnengebräunten Deutschen, die sich beide zu mir herunterbückten. Im Hintergrund bemerkte ich Josefa, sie hatte ein gerötetes Gesicht und eine blutverschmierte Nase.

"Gott sei Dank! Du lebst noch! Was machst du nur für Sachen! Du kannst jetzt nicht schlapp machen, wo ich doch eine Schlafgelegenheit brauche!" sagte Bernd. Er half mir, mich aufzusetzen. Langsam sammelte ich mich. Ich sah eine schlecht beleuchtete enge, hohle Straße und übergroße Häuser, sah ein übermächtiges Rom.

Manfred sah mich besorgt an: "Ach Gott, ach Gott, diese Andre'sche, es zieht sie einfach in die Gosse!"



Fortsetzung in Kaffee mit Latte - Der Quantenf**k-Roman


When Arnie Fucks You Over

A short critique of Schwarzeneggers Sabotage to fill your time while drinking a cup of Coffee Latte.
Saw this Schwarzenegger-vehicle on Blu Ray. Felt fucked over afterwards. Seems I was not the only one who felt that way: this 35-mill-dollar-vehicle became a worldwide 19-mill-dollar box-office-bomb.
The reason: This action-, mystery-, detective-genre mix is simply badly written. First of all the writers can't decide which genre should be the main one. So we are flipped around between mystery-, detective- and action-genre, missing all the story beats and leaving you with a shitload of action scenes, with raining bullets and blood galore. In between - nothing but boredom, with close-ups of Schwarzeneggers wrinkled face. Sorry, Arnie, Stallone's face is way better wrinkled. And then your heavy Austrian accent! Instead of letting your special ops DEA team make constantly jokes about it, I see only seriousness as the general tone of the movie and unreal characters straight out of a bad graphic novel. And you are from start the good guy, who in the end turns out to be the bad guy who was only out for revenge. Arnie, you not only fucked over your special ops team but also the audience.

Here is how I would have written this piece. First of all I would have made your character shady leaving the audience always wondering about your real goals. Then I would have concentrated on the investigation by police investigator Caroline Brentwood who is uncovering bits and pieces about your past, while the Mexican cartel is decimating your OC-team. So you have 2 enemies: the investigator who you can charm and mislead, and the deadly cartel guys who you have to fight with the rest of your team in bloody action scenes. And when in the end the investigator (and the audience) knows all about your past - the cartel killed your wife and son brutally -, we understand you only wanted revenge right from start; we feel there has to be a last brutal and bloody showdown, where you kill all the bad Mexican guys, being finally deadly wounded yourself.

I would not have begun with the cheezy torture video of your wife by cartel members, and your horrible reacting to it - the audience has no connection to the woman in the video being tortured -, but what a great ending if we saw it in the end, as the primary motivator behind your fuck-you-all-over-scheming!
I would have started with you and your special ops team riding in an armoured vehicle on your way to break into a fortified cartel-villa. But instead of some bad jokes of unreal characters, among them one about someone having farted, I would have started like this:
DEA agent 1: All right, who dropped ass.
DEA agent 2: It's always the one mentioning it first.
DEA agent 1: That's a childish reasoning.
BREACHER (Schwarzenegger), in disgust opening a window, with heavy Austrian accent: OK, this one hurts. Lets ask Nose (DEA agent 4, a tracker of Red Indian origin).
NOSE sniffs like a dog.
NOSE: I smell shit...
Everybody laughs.
DEA agent 1: No shit!
Everybody laughs.
NOSE: Quiet. I need to concentrate. (sniffs:) I smell venison and...
EVERYBODY: OK, Smoke, it was you. You had venison.
NOSE, still sniffing, while everybody expresses disgust: ... and a Burgundy.
SMOKE: All right, it was me, but it wasn't Burgundy, I tried an Austrian Zweigelt. Was quite a good combination. BTW, the Austrians have a very good wine culture! Ask Breacher.
DEA agent 2: Fuck the Austrians. That Lord of the Ring was one big pile of shit, smelling like your ass.
BREACHER: Lord of the Ring was shot in New Zealand. And Austria is not Australia, you fuckhead. And now concentrate on the mission. 2 minutes to breaching. Neck, you got the sniper?

NECK (sniper), on a hill: Still searching...
BREACHER: Hurry...
We see Neck's POV: view though crosshairs, with the cartel sniper finally popping into view.
NECK: Got him...
Through the cartels snipers crosshairs we see the armoured vehicle nearing the fence highspeed.

DEA boss, from a command centre in the US: OK, Breacher, as soon as you see a good spot to breach, you tell Neck. He then takes out the shooter.
BREACHER: Lizzy come in... 

Inside the villa, wild party. Lizzy sniffing a line, then exclaiming wildly: Wow, that one did it. 
Kisses wildly a drug boss.
LIZZY, addressing BREACHER: I can't hear you.
Drug boss: What are you talking about?
LIZZY: Let's go somewhere more quiet where I can hear you...
She takes drug boss by the hand who follows her to a bedroom. 
LIZZY: Come on, I can't hear you.
Boss is about to fuck her without a condom.

Neck takes out the cartels sniper. 

Breacher crashes though fence with armoured car.

Lizzy shoots the drug boss, then jumps out the window...

DEA boss, over ear plugs: Remember, don't take any money, just blow it up!



(The shit-talk-scene would have been a good introduction, because after they break into fortified cartel-villa they are in the basement where they steal 10 mill. dollars, which they pack and flush down the stinking shit-drain after having removed the very shit-dirty toilet.  Then they blow up the rest of the money, a 100 mill., stacked high on a pallet inside the cartel-villa.  In a Freudian sense money is anal, a pile of money is shit.)

Later they wade through the stinking sewer full of shit to gather the millions, which have mysteriously disappeared...

Etc.

Thus the audience would know that Breachers mission is only to hurt one special cartel by blowing up their money, but the ops team is stealing 10 mill. for themselves and possibly getting away with it.


Instead: we see after a cheezy video of torturing some well done action sequences leaving me wondering, wtf is going on?


Later into the movie the special ops team gets slaughtered one by one, by a different cartel, who even nails one team member to the ceiling, gutting him.  The way this is filmwise executed is horror genre.

Then I was just fed up, waiting for the next action scenes with bullets raining, blood spattering.

I never had a clue what was going on.

Only when the female investigator steps in the plot comes to motion...




So, I hope, the dear reader
understands why I had to vent a little; and I assume he rode well on my train of thoughts while sipping his cup of Coffee Latte...

Since this terrible movie was Arnies baby, my advice to you, Arnie, from Austrian to Austrian: Get some knowledge of how the dramatic code works, then hire a good writer who knows the different genres and how to mix them and you will have a block buster.

Read John Truby's Anatomy of Story! It's an eye opener in many ways!


Donnerstag, 2. Oktober 2014

Das große Kotzen

Hier eine weitere Leseprobe aus Kaffee mit Latte - Der Quantenf**k-Roman, Kapitel: Wie ich sehr tief falle


Die Zeit: Mai 1968.

Der Ort: Rom.

Die Situation: Andre ist 19, ist von zuhause ausgerissen, nach Rom getrampt, um hier beim Film entdeckt zu werden. Schon nach einem Tag hat man ihm alles Geld geklaut, er fällt tief, landet in der Gosse. Mit gelegentlichen Statistenjobs hält er sich über Wasser. Er lernt die Bahnhofsclique kennen, alles Stricher. Darunter ist auch Manfred, ein schwuler Österreicher, der bei Susi Nicoletti in Wien Schauspielunterricht genommen hatte und in Rom groß rauskommen wollte. Er war sofort auf dem Strich gelandet. Als versierter Stricher konnte er die Wünsche eines jeden Mannes erfüllen. Gelegentlich ergatterte er lukrative Statistenjobs.

Ohne es zu wissen, ist Andre auch auf einer ständigen Suche nach seinem Ich, das ihm sein Vater jahrelang rausgeprügelt hatte.

Hier also beginnt der Auszug:



Manchmal traf ich Manfred, der fleißig auf den Strich ging, aber auch von einem neuen Film sprach, der bald mit Statisten besetzt werden sollte, ein Kriegsfilm, für den sie Deutsche suchten. Im übrigen sollte ich auch auf den Strich gehen, meinte er immer wieder, das brächte die tägliche Butter aufs Brot.
Obwohl ich einen enormen Ekel vor Männerberührungen empfand und mir meinen unberührten Schwanz für eine schöne Frau aufsparen wollte, hörte ich mir doch immer wieder seine Anekdoten an, teils mit Ekel, teils neugierig, bis ich mich schließlich mit der Idee des Strichs anfreunden konnte.
"Aber in den Arsch ficken lass ich mich nicht!"
"Musst du doch nicht, Gnädigste! Manche Freier wollen einfach nur daliegen und sich einen blasen lassen!" Mit solchen "Entschärfungen" wollte er mir den Mund wässrig machen.
"Aber das kann ich schon gar nicht!" Der Ekel war mir nicht nur ins Gesicht geschrieben, mein ganzer Körper schien ihn auszudrücken.
"Ich schätze, meine Andre'sche wird es auf dem Strich nicht leicht haben", beendete er eines Tages so ein Gespräch und begann mit dem "Unterricht": "Also, am wichtigsten ist, dass der potentielle Freier weiß, wer du bist! Ein Mann oder eine Frau. Am besten gibst du dich als Frau. Auch unter uns werden die Frauen am ehesten angemacht! Ich zum Beispiel bin eine Frau, also geb ich mich so, ich lächle jemand an, dann schau ich dezent weg. Ich nehme nur halbe Bissen, halbe Löffelchen, Stil, verstehst du, mein Dummerchen. Also, mach mir mal nach!"
Wir sitzen in diesem Cafe in der Nähe des Bahnhofs, rundherum ein buntes Treiben von Menschen, ein reger Verkehr auf der breiten Straße, ein Hupen und Schreien und laute Musikfetzen. Es ist Nachmittag, das Cafe ist voll, wir sitzen im Freien unter einem Sonnenschirm, die Sonne sticht, es ist brüllend heiß, Manfred hat mich auf eine Cola eingeladen, jeder Schluck treibt mir den Schweiß raus.

Manfred zeigt mir also, wie man einen Kaffee trinkt, nämlich mit leicht abgespreiztem kleinen Finger und in kleinen Schlückchen. Ich ahme ihn nach. Er korrigiert mich. Schließlich trinke ich meine Cola wie eine Tunte, aber es macht mir Spaß. Es ist eben Stil.
"Und was kann ich denn so verlangen?" will ich wissen.
"Ich verlange immer zehntausend Lire. Manche zahlen mehr, manche weniger."
"Was aber ist, wenn er das nicht zahlen will?"
"Da gibt es einen besonderen Trick: Wenn er sagt, zehntausend sind zu teuer, du aber auf jeden Fall siebentausend haben willst, dann sagst du einfach, ist OK, siebentausend oder achttausend, für weniger machst du es nicht. Und weißt du, was er macht? Er greift nach den siebentausend! Und die hast du dann sicher! Kapiert, Süße? Und mehr als zehntausend zahlt dir sowieso keiner, da musst du schon sehr gut sein. Alles klar? Also gut, wenn du jemanden kennenlernen willst, musst du in der Runde herumsehen, nur ganz leicht Blicke verstreuen!"
Er macht es vor, ich ahme ihn nach. Zuerst mechanisch, dann etwas lockerer. Plötzlich seh ich einen Mann, der mich ansieht. Er ist um die vierzig, von romanischer Bauart, hat eine eigenartige Ausstrahlung.
Manfred: "Siehst du den? Der hat jetzt bei dir angebissen!"
Ich krieg kurz einen Horror.
Manfred: "Der ist voll auf dich abgefahren! Jetzt musst du aufstehen, ihm noch einen schmachtenden Blick zuwerfen und zur nächsten Auslage schlendern. Da blickst du rein, aber nicht wirklich, du schaust nur im spiegelnden Fenster, ob er dir nachsieht! Verlange für den Anfang fünftausend Lire! Los, mach schon!"
Er drängt mich, ich habe plötzlich weiche Knie und richtig Prüfungsangst, eigentlich will ich nicht mehr, aber ich brauche das Geld. Also stehe ich auf, gehe an dem Tisch dieses Mannes vorbei, werfe ihm einen Blick zu, der schmachtend sein soll und gehe zur nächsten Auslage. Im Augenwinkel sehe ich, wie sich der Mann erhebt. Vor der Auslage warte ich, schau ins spiegelnde Glas, ob er schon hinter mir steht, aber ich sehe ihn nicht, sehe nur vorbeitreibende Menschen.
Ich drehe mich um, schau zu Manfred, will ihn mit Gesten fragen, wo denn er geblieben ist, dieser Mann, und sehe, dass er jetzt an Manfreds Tisch sitzt. Ich atme auf, das ist nochmals gut gegangen! Trotzdem bin ich auch frustriert: wieder kein Geld. Manfred verschwindet wenig später mit dem Freier.
Ich gehe in die Villa Borghese. Leider nichts los.
Ich schlender zurück zum Bahnhof. Dort treffe ich wieder Manfred, der zufrieden lächelt, an seiner Seite ein blonder Junge mit vielen Pickeln im braunen Gesicht. Er ist ein Deutscher, er heißt Bernd, er ist sehr sympathisch, er hat nichts zu schlafen, er hat kein Geld, schöne Misere, er will's hier auf dem Strich versuchen, und ob er heute bei einem von uns schlafen könnte? Bei Manfred geht's nicht, bei mir auch nicht, wegen der Signora, aber ich lass mich schließlich überreden. Also sitzen wir hier, am frühen Abend, erzählen uns Geschichten aus dem Leben und warten auf Freier. D.h.: Erzählen tun die beiden, denn ich hab scheinbar noch nichts Erzählenswertes erlebt: Ich bin weder auf dem Strich gewesen, noch hab ich es mit einer Frau getrieben, und schon gar nicht hab ich ein Auto gestohlen. Denn davon erzählt Bernd die meiste Zeit.
Manfred macht mich nach einiger Zeit auf einen Mann aufmerksam, der zu uns herüberschaut, Bernd will sofort zu ihm 'rüber, aber Manfred sagt, dass das mein Freier sei und schickt mich los. Also gehe ich zu dem Mann, schüchtern, und jegliche Gedanken an Sex mit ihm verdrängend. Ich setz mich auf den freien Stuhl. Zuerst mal Geplauder, er ist nicht unsympathisch, er ist so um die fünfzig, er heißt John, er ist amerikanischer Schauspieler deutscher Herkunft, er erzählt viel von seiner Jugend im "Schwatzwold", rezitiert "Roosla in auf der Ha ide" und "Fastgemauerrt in den Arden ste it die Fomm aus Le im gebrrrannt". Ich bewundere sein Deutsch, er bewundert mein Englisch, ich bewundere seine diversen kleinen Rollen in diversen kleinen Filmen, er bewundert mein Aussehen. Schließlich fragt er mich, ob ich mitkommen will. Ich sage ja, und hoffe, dass es schnell vorbei ist. Er verspricht mir fünftausend Lire. Ach, wenn ich die nur schon hätte!
Wir fuhren in seinem kleinen Fiat zu ihm. Ich war sehr aufgeregt, ich fühlte mich wie eine Jungfrau, oder wie ich dachte, dass sich eine Jungfrau das erste Mal fühlen müsste. Am liebsten hätte ich alles rückgängig gemacht. Aber ich wollte nicht mein Gesicht verlieren, ich musste da durch. Ich brauchte Geld.
Er hatte am Stadtrand ein kleines Apartment mit Ausblick auf eine Neubauanlage, von der untergehenden Sonne blutrot beschienen. Ach, wie schön und stimmungsvoll, meinte er, ich nickte, er bot mir eine Melone an, ich nahm an, er bot mir Parmaschinken an, ich nahm an, er bot mir eine Cola an, ich trank gierig. Ich versuchte, das Unvermeidliche hinauszuzögern. Plötzlich fiel mir auf, dass ich tatsächlich extrem hungrig war und begann zu schlemmen.
Er war schon geil und wollte mit mir sofort ins Bett, aber ich aß noch einen Happen von hier, dann noch ein Bissen von dort, dann einen Becher von jenem Eis, dann wollte ich auch noch von dem Hühnchen kosten, und Fisch gab's auch, und Torte mit Schlagsahne, oh Mann oh Mann, welch eine Lust, meine Geschmackssinne zu reizen. Er warnte mich, bei dieser Hitze alles durcheinander zu essen, aber ich war ausgehungert. Mit vollem Mund wollte ich außerdem alles über ihn wissen, ohne richtig zuzuhören, nur um das Unvermeidbare hinauszuzögern.
Schließlich war ich satt, mehr als satt, und auch die Fragen waren mir ausgegangen. Er stand auf.
"Gehen wir ins Schlafzimmer!"
Wir gehen ins Schlafzimmer.
"Worauf wartest du? Zieh dich aus!"
Ich warte nicht mehr und ziehe mich aus.
"Jetzt stell dich nicht so an, leg dich hin!"
Ich stelle mich nicht so an und lege mich hin.
Auch er ist inzwischen nackt, ich schau weg, sein weißer Schwabbelkörper stößt mich ab. Er legt sich ans Bettende und küsst meine Füße, die ich schon ein paar Tage nicht mehr gewaschen habe, es kitzelt etwas, er steigert sich rein und schleckt sie gierig ab, mit Vorliebe die Zehen, es ist nicht unangenehm, es ist sogar sehr angenehm, Wärme steigt von unten her hoch. Sein braungeränderter Mund kommt jetzt hoch, aufgeregt atmet er mir ins Gesicht: Es ist heiße Jauche, übelste Jauche, mein Magen revoltiert und will großzügig seinen Inhalt hergeben. Schnell versuche ich, den Magenmuskel zu kontrollieren, enorme Anstrengung kostet das, vor allem, weil er mit noch mehr Druck erwidert. Und während ich noch überlege, wie ich auf dem schnellsten Weg zur Toilette komme, küsst mich John. Augenblicklich kotze ich ihn mit einem dicken Strahl an; begleitet von einem tiefen Gutturallaut, drückt es fast alles aus mir heraus; dunkel rinnt an ihm die braune Sauce runter, extrem stinkig, mit grauen Fischbrocken und roten Melonenstückchen darunter. Die aufgerissenen Augen in seinem vollgekotzten Gesicht drücken Entsetzen und Ekel aus, bevor er selbst laut loskotzt, bevor er mich vollschleimt, noch stinkiger, noch unerträglicher, so dass ich erneut kotzen muss, unkontrolliert, gewaltig und explosionsartig, heiß und ätzend. Ich kotze auf ihn, das Bett, das Kissen, ich kotze mit solchem Druck, dass es spritzt. Selbst als mein schmerzender Magen schon leer ist, will immer noch alles raus.
Von krampfhaften Kontraktionen geschüttelt, sehe ich, dass John Ähnliches durchmacht: Aufgestützt auf einem Arm, rutscht er sogar in dieser schleimigen Sauce aus, fällt voll rein, erneut mit lauter tiefer Stimme speiend.
Und wieder drückt's mir alles raus, ich werde richtig ausgewunden von innen, es kommt nur mehr Speichel, die Tränen rinnen mir die Wangen runter, die Säure reizt meine Luftröhre, ich huste heftig.
Nach einigen Minuten des Verschnaufens, in denen wir ab und zu, von Konvulsionen gepackt, husten oder uns räuspern, richtet sich John erschöpft auf und schüttelt den Kopf. Seine Haltung drückt nur eines aus: Raus aus all dem Ekel, weg um jeden Preis.
Wir duschten getrennt, er gab mir fünftausend Lire und sagte mir, dass es für ihn ein unvergessliches Erlebnis gewesen war. Für mich auch.
Er fuhr mich zum Bahnhof, wo die Runde inzwischen größer geworden war: Alle hörten Manfred zu, der breit aus seinem Leben erzählte. Als er mich sah, blickte er mich kurz forschend an, ich nickte, er nickte und schien zufrieden. Später fragte er mich, wie es gewesen war.
"Es war alles sehr neu", sagte ich mit einer vom vielen Kotzen sehr tiefen Stimme. Von der "Kotzorgie" wollte ich ihm später mal berichten. Er war stolz, als diesmal ich ihn auf einen Kaffee einlud. Ich lehnte mich in den Stuhl zurück und atmete auf, ich hatte wieder Geld. Ich war zufrieden. Abgesehen vom Kotzen war es mit einem Mann doch nicht so schlimm gewesen. Ich hatte eine vermeintlich hohe Hürde genommen und konnte rückblickend sagen, dass sie gar nicht so hoch gewesen war. Dieses Gefühl des bewältigten Hindernisses gab mir Sicherheit. Jetzt war ich wer, ich war zwar nur ein Stricher, aber ich fühlte so etwas wie ein Aufblühen in mir, ich fühlte das Keimen eines Ichs. Ich war stolz auf mich.

Bernd, dem ich später mal über diese Kotzorgie berichtete, kommentierte sie trocken: "Da habt ihr aber kolossal abgespritzt!"
 

So, das reichte wohl für eine Tasse Kaffee mit Latte. Zumindest ist meine leer.

Und wenn's weiterhin nichts Interessantes zum WeiterBILDen gibt, gibt's morgen noch einen Auszug aus dem hervorragenden Roman Kaffee mit Latte - Der Quantenf**k-Roman. Wieder über eine Kotzorgie, diesmal ganz anderer Natur, auf einer Party in der riesigen Nobelvilla eines Filmproduzenten, am Fuße des Vesuvs.

Oder ich schreibe über ein paar äußerst gute Serien, wie The Americans, Homeland, Breaking Bad oder Dexter. Übrigens gibt's auch (ausnahmsweise) eine ausgezeichnete Serie aus Deutschland: Im Angesicht des Verbrechens, mit Riemelt, Zehrfeld, Bäumer... Regie Dominik Graf. Die Serie ist so gut, dass sie fast nicht zu Ende produziert worden wäre. So ist das eben in Deutschland: Ihre GEZ-Gebühren fließen zu Produzenten, die nur Schrott wie Tatort produzieren. Meiner Meinung nach hat Im Angesicht des Verbrechens Qualität und Potential, mit den Sopranos verglichen zu werden.

Ach ja, und Serien, in denen Scientologen Hauptrollen spielen, meide ich, selbst wenn sie sehr gut sind. Denn diese Scientologen spenden in die Kriegskasse, aus der die Angriffe gegen Scientology-Kritiker finanziert werden. Solche Serien sind Mad Men (mit Elizabeth Moss), Orange Is the New Black (mit Laura Prepon). Ich weiß, die Scientologin Sofia Milos spielt auch in den Sopranos, aber ihre Rolle ist so klein, dass sie nicht ins Gewicht fällt. (Sie spielt übrigens sehr gut.)

Mittwoch, 1. Oktober 2014

Die tägliche BILDung

Ich BILDe mich täglich weiter. Zwar lese ich die BILD nicht, ich bekomme die alte, vom Tag vorher, vom Nachbarn, fürs Katzenclosäubern, weil die großen BILD-Seiten ideal sind für das Einpacken der geklumpte Katzenstreu. Und während ich den geklumpten Katzenurin auf die großen BILD-Seiten schaufle, springen mich die BILDer an rund um die geklumpte Streu, dazu die BILD-Überschriften. Inzwischen bin ich schon ganz schön geBILDet. Nicht, dass ich mir darauf was einBLIDe, aber BILDung ist wichtig, damit jeder Tag ausgefüllt ist mit dem Leben der Anderen. So weiß ich, dass der Schweini eine Neue hat. Ich wusste gar nicht, dass er eine alte hatte. Geil sieht sie aus, die Neue. Ein Tenniswunder soll sie sein. Und auch noch gebildet. Zumindest schreibt das die BILD, indem sie die Neue mit der alten vergleicht. Ein paar Tage später lese ich, dass der Schweini sich mit dem Schweiger in Schwabing traf. War ganz wichtig für mich, konnte meinem Leben wieder Sinn verleihen, zumindest an diesem Tag. Dann las ich, dass auch der Schweiger eine Neue hat. Von dem wusste ich, dass er eine alte hatte. Als ich über die beiden Schweigers vor Jahren irgendwo darüber las oder was über sie sah - man wird ja praktisch täglich überschwemmt mit Promi-Müll -, da wunderte ich mich, dass der Schweiger noch bei seiner Alten ist, wo er doch auf jedem Filmset so viel zum Naschen sieht und trifft. Im Bett wäre er eine Granate, prangte damals groß als BILD-Werbung von allen Plakatwänden. Das habe ich übrigens mit dem Schweiger gemeinsam: Auch ich bin im Bett eine Granate: 3 - 2 - 1 - Wumm. Inzwischen, im fortgeschrittenen Alter, bin ich bisweilen zum Spätzünder geworden, oder wenn Sie so wollen, eine Fliegerbombe aus dem 2. Weltkrieg, die erst nach geraumer Zeit mit einem entsetzlichen Knall hochgeht. OK, der Vergleich hinkt etwas, weil man die meisten dieser Bomben entschärfen kann. Und entschärfen lasse ich mich nicht.
Wo, war ich? Ach ja, beim Schweiger. Lieber Til, ich fand dein Spiel schon immer etwas gewöhnungsbedürftig: Erst mal muss ich deine Filme immer mit Untertitel sehen, weil ich deine schlecht artikulierte Sprache oft nicht verstehe. Ich denke dann jedes Mal, es ist bloß deine Ausstrahlung, die dich hochkaltapultiert hat. Ansonsten denke ich, dass du einen Logopäden nötig hast. Oder ist es ein Orthopäde? Weiß nicht, muss mal im Internät nachkuggen. Sah Keinohrhasen. Fand ihn ganz amüsant und gut, für deutsche Ansprüche. Die Fortsetzung war jedoch so was von übel, dass ich mich ein wenig darüber auslassen muss: Verschiedene Humorarten werden hier willkürlich gemixt. Mit einem Schuss Fäkalhumor vom Ekeligsten... Der Anfang: Der Schweiger und die Tschirner leben schon ein Jahr oder so in einer großen Wohnung im teuren Berlin. Der Schweiger kommt mit dreckigen Bergschuhen nach Hause und stellt sie auf den Küchentisch. Right, das machen alle Männer so: dreckige Schuhe auf den Küchentisch. Ferner verstaute er über Wochen hin alle leeren Plastikflaschen in einem Schrank, lügt die Tschirner an, dass er sie entsorgt hätte. Die Tschirner öffnet den Schrank und wird von Hunderten Plastikflaschen zugemüllt. Das sind die Probleme in dieser Beziehung. Ich hatte den Eindruck, dass Millionäre diesen Müll geschrieben haben, die nicht wirklich wissen, welche Probleme junge Leute in einer Großwohnung in Berlin haben. Und so ist es auch. Jetzt noch die Fäkalhumorszene: Der Schweigerhöfer verbringt den Tag in der Wohnung einer Frau, die er nicht verlassen darf (die Wohnung). Hier funktioniert an diesem Tag das Clo nicht (Wasser gesperrt, oder so ähnlich). Natürlich muss er just jetzt seinen Darm entlehren. Folge: Clo voll. Was macht er? Er nimmt den Staubsauger (!) und saugt die Kacke ab. Selten so gelacht. Dann verpackt der Schweigerhöfer die Kacke in einem Plastikbeutel und stellt sie auf den Tisch - wo auch sonst hin? Selten so gelacht. Natürlich ruft er auch seinen Buddy Schweiger, ihm aus einer Misere zu helfen, ich glaube, er hat sich aus der fremden Wohnung ausgesperrt. Gemeinsam schaffen sie es, dank der großartigen Autoren Schweiger und Co, auf dem Dach zu landen, abzurutschen, an der TV-Antenne sich zu halten, die losreißt, der Schweiger fällt gleich völlig vom Dach und ein paar Stockwerke in die Tiefe, wo er glücklicherweise in einen Obst- und Gemüsestand landet. Unverletzt natürlich. Der Schweigerhöfer baumelt am Kabel, und schwingt durchs geschlossene Fenster in die Wohnung, das Fenster zertrümmernd (später würde er seiner Freundin sagen, eine Taube wäre durchs Fenster geflogen, und er hätte sie in dem Plastikbeutel verpackt, in dem seine Kacke verpackt ist, selten so gelacht). Nachdem ich mich durch diesen Müll 2 Stunden lang hindurchgequält hatte, hab ich ihn sofort in einem Videoladen verkauft. Ich hab die DVD sehr günstig als Einführungsangebot gekauft, und weil völlig neu, bekam ich genauso viel wieder ausbezahlt.
Wo war ich? Richtig, beim Katzenclo. Gestern wurde ich geBILDet, dass die Bundestagsabgeordneten, die wichtige Entscheidungen treffen müssen, gar nicht bei der Sache sind. Ganz was Neues. Einer zieht sich die Nackten vom Playboy aufs Smartphone, ein anderer spielt Sudoku etc. Und dafür kassieren sie - wieviel? Genug, um mehrere Familien zu ernähren. Und jetzt holt auch noch König Seehofer den adeligen Betrüger Guttenberg zurück in die Politik. Was sich der Guttenberg wohl auf sein Smartphone runterholt? Möglicherweise die Anleitung zu: Wie hole ich mir einen Doktortitel ohne erwischt zu werden, in 10 einfachen Schritten. Erster Schritt: Wie kann ich einen semantischen Fingerabdruck verwischen? (Diese Anleitung ist übrigens von einem Dr. s.c., einem Doktor sine causa.)
Diese BILDung vervollständigt das BILD vom statistisch gemessenen durchschnittlichen Politiker: immer ehrlich, niemals geldgeil, überhaupt nicht machthungrig, fleißig, und, wenn's um die Wahlen geht, besonders vertrauenswürdig. Natürlich glauben wir dem armen Politiker im Bundestag, dass ihm die Playboy-Nackte aufs Handy gerutscht ist, dass dem Guttenberg die Plagiate so nebenbei unabsichtlich passiert wären, dass der Meth-Konsum eines weiteren Politikers ein einmaliger Ausrutscher gewesen wäre usw. usf.
Heute BILDet mich die BILD mit der wichtigen Info, dass der Kardinal Marx mehr Hilfe für die Flüchtlinge fordert. Der Kardinal: dickes Gesicht, erhobene Wurstfinger, im Prunkgewand, Vertreter einer milliardenschweren Kirche. Ironischerweise heißt er auch noch Marx.
So, das war's für heute, meine Kaffeetasse ist leer, ich freu mich schon aufs nächste Katzenclosäubern. Katzenclo macht nicht nur Kinder froh.

Ach ja, fast hätte ich es vergessen: Kaffee mit Latte - Der Quantenf**k-Roman ist das Beste, was es zur Zeit auf dem Buchmarkt nicht gibt. Vom einem ausgezeichneten Autor, das kann ich bezeugen. Morgen gibt's einen Auszug, der wird so ekelig und komisch sein, dass er Feuchtgebiete trocken erscheinen lassen wird. So viel vorweg: Es wird ums große Kotzen gehen.

Montag, 1. September 2014

When Instinct Takes Over


I promised I would write in English too. Well, here it is, triggered by the English Adidas-slogan "Instinct takes Over".
Yes, Germany is flooded with Adidas Commercials that "Instinct Takes Over". But who TF understands this? Nobody of my neighbors who I asked. But then, admittedly, I don't live in a sufficiently educated district. Sorry, neighbours. But what they understand is "instinct" and "Adidas". In these advertising posters soccer star and "Weltmeister" Özil is seen in extreme body positions - yes, I use this German word, since also German words are flooding Great Britain und the USA, words like "Weltschmerz", "Über", "Angst", "Gesundheit", "Doppelgänger"; in the Adidas movie commercials Özil's translucent body structure when running in extreme slow motion suggests that of a Na'vi of Cameron's Avatar, though Adidas implies that we are in the realm of predators. Poor Özil, no more himself but pure instinct of a predator. Back in Jurassic times. Fixed patterns of actions in response to stimuli, forever unchangeable. You could also say, Adidas promotes that the target group, i.e. the majority of the people, stay at the level of instincts; let influential thinking be done by the rich and powerful. By politicians. By multicorporate enterprises. Since Özil is already a multi-millionaire you could also say he was taken over by the instinct of greed for another 25 mill. Euros paid by Adidas. 25 millions! How much is that? More than every person of my district combined will earn in a lifetime. I admit, I envy Özil. And suddenly I realize, I'm taken over by pure instinct, the instinct of envy. Envy. But since I'm not a predator, I can undo that. How? I guess 25 mill. would do the trick. At least for now. So, why not spend 25 million Euros on me? Yes, of course, I'm not worth 25 mill., seen from an advertising corporate angle. My 65-year-old body, though kept in shape by daily yoga, seen in slow motion, what a joke. Funny. I just have a hilarious epiphany: extreme fat bodies, seen in extreme slow motion with extremely red Adidas shoes, extreme body fat wobbling in extreme slow motion, what an extreme laugh... OK, back to seriousness... Seen from a Buddhist (and quantum philosophical) angle, everything is just an illusion, is waves falling into particle states by the combined act of observing and freezing the observed in a time-frame to see or have something of worth or beauty. Or to quote Einstein: "Reality is just an illusion." Since 25 mill. are simply an illusion, I ask you, oh mighty corporate gods for whom 25 mill. is just peanuts: Who will risk 25 mill. Euros on me? Methinks that 25 mill. is enough to produce that very special movie Mont Pi which has block buster potential - see for yourself: http://quantenmedien.npage.de/mont-pi-a-drama.html. And to advertise and publish a novel of mine, titled Kaffee mit Latte (Stiff Coffee). Does anybody think I'm a megalomaniac? If so, remember: thought is also just an illusion, made up of particles frozen by the concept "Megalomaniac". Undo it and let the waves continue their motion in that vast and inexplicable quantum soup and you'll see the truth: that the 25 mill. are mine, precious 25 mill! Mine, mine, mine. Sorry, I got carried away by Jackson's Lord of the Ring. Does anybody think I have delusions of grandeur? Again, that's an illusion too. Undo it and you'll see and be free.
Undo all your fixed thoughts and you really will be free.
OK, I admit, right now I was a bit taken over by my instinct to lecture. I undo it, everything falls back into waves. And I'm again an observer who doesn't evaluate the wave-like states by thought-concepts who turn processes into things.
You should try it too.  Do it.
Just kiddin'. Admittedly it ain't that easy.
But sometimes it is!
Really! 

Hope that you rode well on my train of thoughts while sipping a good cup of Stiff Coffee!

Donnerstag, 21. August 2014

Die dummen Streiche der Reichen


Die Ice Bucket Challenge
Als ich das 1.x diesen Schwachsinn in den TV-Nachrichten sah, wunderte ich mich nicht sonderlich - die Massenmedien sind geil auf diesen Bullshit, besonders wenn Prominente involviert sind und die Nachrichteninhalte breitgetreten bzw. immer die gleichen sind: Kriege, die sich schon über Monate hinziehen - der Syrienkrieg ist inzwischen so uninteressant, dass man nicht mal mehr darüber berichtet -, Terrormilizen, die einen ganzen Staat übernehmen wollen, Ebola-Virus etc.
Inzwischen hat diese Bucket-Challenge-Welle die Reichsten und Berühmtesten erfasst: Mark Zuckerberg tat es, Bill Gates tat es, Justin Timberlake, Charlie Sheen, Schweighöfer taten es... Sie sammeln damit angeblich für einen guten Zweck, nämlich die Nervenkrankheit ALS zu bekämpfen. 15 Mill. Dollar hätte man schon aufgetrieben! Halloooo? Irgendjemand noch zuhause? Wenn diese Multimilliardäre und Multimillionäre nur ein Zehent ihres Vermögens gespendet hätten, dann hätte man längst Milliarden, dann wären Forschung und Hilfestellungen auf diesem Gebiet schon ein gutes Stück schneller vorangekommen...
Dabei hat alles wirklich mit einem guten Ziel begonnen: die Initiatoren - alles Nobodies - wollten auf diese Weise Geld für eine gute Sache sammeln. Bis irgendein Promi seine Chance witterte, wieder ins Rampenlicht zu gelangen. Ironischerweise ist einer der Initiatoren, die ursprünglich nicht reich und berühmt waren, und der auf diese Weise 80.000 Dollar für einen guten Zweck aufgetrieben hat, bei einem Sprung ins Meer ertrunken...
Hut ab vor ein paar Politikern, die bei diesem Schwachsinn nicht mitmachen. Für die hätte ich auch einen Vorschlag: die GÜLLE CHALLENGE. Besonders jetzt, wo nach dem Russland-Boykott die europäischen Bauern nach besonders guten Ernten auf ihrem Obst und Gemüse sitzen bleiben. Mit dem Geld könnte man sie nicht nur fördern, sondern auch ohne viel Bürokratie das Obst und Gemüse den Ärmsten des Landes zukommen zu lassen (anstatt es zu vernichten).
Ich habe den Anfang gemacht, mich schon mit Gülle übergossen (ist auf einer versteckten Website zu finden). Ich fordere nun die EU-Politiker Barroso, Juncker und Öttinger heraus. Danach können sie weiter mit ihren Ghostwritern ihre Memoiren schreiben.

Mittwoch, 20. August 2014

Kaffee mit Latte Der Quantenf**k-Roman. Ein kurzer Auszug

Wie versprochen, folgt jetzt ein kurzer Auszug aus meinem Quantenf**k-Roman Kaffee mit Latte.
Also in diesem Roman geht's um Andre, der in seiner Kindheit und Jugend so oft verprügelt wurde, dass er sein Ich verlor. Jetzt sucht er es andauernd, sein Ich. Findet immer wieder Vorbilder, formt danach ein neues Ich, um später zu erkennen, auch das ist er nicht. So war er Hehler, Dieb, Stricher und kurz auch Zuhälter, sehr kurz nur...
Im Folgenden findet er sein Ich als Dealer...

...
Durch das häufige Haschisch-Rauchen hatte ich einige Dealer kennengelernt. Da zu meinem Bekanntenkreis auch Leute gehörten, die gerne rauchten, aber keine Dealer kannten, schaltete ich mich öfters dazwischen und vermittelte den Stoff gegen einen kleinen Obulus. Anfangs war es wirklich wenig, meist nur ein paar Haschisch-Pieces, die schnell verraucht waren. Doch binnen kurzem waren es größere Stücke, die ich auch verkaufte. Bald war ich als Dealer einigermaßen erfolgreich und konnte davon leben. Ich lernte viele Leute kennen, die alle auf die eine oder andere Weise nicht in das System passten oder Intellektuelle waren. Einige waren sogar bekannte Maler und Musiker.
Der Erfolg als Dealer gefiel mir. Ich wusste, ich war auf dem richtigen Weg. Und ich begann wieder zu schreiben. Oft dichterisch ausschweifend schrieb ich alle meine Erlebnisse nieder.
Eines Tages trat ein Bekannter an mich heran: Er würde jemanden kennen, sagte er, der ein Viertel Kilogramm Afghanen hätte, ein sehr beliebtes dunkles Haschisch. Ich war sofort Feuer und Flamme und besorgte bei Kleindealern, darunter auch Theo, das nötige Geld. Dann traf ich mich mit dem Dealer. Der Dealer war eine Frau, sie hieß Konstanze, sie war hübsch und sie war eigentlich nur die Vermittlerin für den großen Dealer im Hintergrund. Es klappte alles wie am Schnürchen. Es klappte in der Tat so gut, dass ein paar Tage später ihr Anruf kam: Sie hätte noch ein Kilogramm. Ich ging wieder zu meinen Kleindealern, das erforderliche Geld war schon nach einem Tag aufgetrieben, ich fuhr zu Konstanze, wog den Stoff ab, bezahlte und ging. Auch dieser Deal lief schnell und reibungslos ab. Mit einem Schlag hatte ich ein Viertel Kilogramm Afghanen verdient, das ich in den nächsten Wochen peu à peu ums fünf- bis zehnfache verkaufte. Mein Kundenstamm wurde rasch größer, die Anrufe häuften sich, der Erfolg war da. Bald hatte ich fast nur mehr Kunden in Film- und Musikerkreisen, darunter auch die von mir verehrten Größen des Austro-Pops.
Ich lebte im Überfluss. Mir gefiel dieses Leben. Jetzt konnte ich endlich sorglos schreiben. Jetzt brauchte ich nur noch Ideen.
Und ich gefiel wieder der Lisa. Sie war zwar inzwischen leidenschaftliche Chile-Kämpferin geworden und hatte wegen der vielen Demos gegen Pinochet wenig Zeit fürs Vögeln. Doch als sie meinen Erfolg sah, traf ich sie häufig in meinem Bett an, wo sie sich mir gerne widmete.
Mein Erfolg gefiel den meisten.
Nicht aber dem Theo.
Jedes Mal, wenn er jetzt vorbeikam, brütete er dunkle Gedanken, erzählte von der Gefährlichkeit des Dealens, wie viele Jahre Gefängnis es dafür gäbe usw. Die Änderung in seinem Wesen wurde stetig krasser. Anfangs wollte ich es nicht wahrhaben, aber später kam ich zu der Überzeugung, dass der Theo mit allen Mitteln gegen mich ankämpfte, als könnte er nicht haben, dass ich erfolgreich war und er nicht...
In dieser Zeit war ich auch öfters bei der Kathrin, die inzwischen den Tom geheiratet hatte. Sie hatten ein süßes Söhnchen. Ich mochte alle drei. Aber geil war ich immer noch auf sie. Sie hatte mal den Satz von sich gegeben: Freunde sollten wenigstens einmal miteinander geschlafen haben. Und dieser eine Satz spukte immer wieder durch meinen Kopf, wenn ich bei ihr war. Ich hoffte einerseits, dass sie ihn einhalten würde, andrerseits aber hatte ich auch so etwas wie einen Ehrenkodex: niemals die Frau eines Freundes anzurühren.
So saß ich mal abends bei ihr, Tom war in einem Abendkurs für Programmierer. Die beiden hatten Streit gehabt. Und wenn die beiden stritten, dann wurden sie bösartig, dann verletzten sie sich mit Worten, dann redeten sie tagelang nicht mehr miteinander, dann dachten sie an Trennung, an Scheidung, so wie Kathrin jetzt. Wir saßen auf der Couch und rauchten meinen Stoff. Ich tröstete sie, den einen Gedanken im Hinterkopf, den ich mit Gewalt zu verdrängen versuchte, nämlich mit ihr zu schlafen.
Eigentlich war ich hier, weil sie mir jemanden hatte vermitteln wollen, der tausend Trips verkaufen wollte. Aber der Typ war nicht gekommen. Also saßen wir auf ihrer Couch und rauchten meinen Shit, diesen tollen schwarzgrünen Afghanen. Wir lachten sehr viel. Schließlich meckerten wir nur noch über irgendwelche Freunde.
Wir kamen uns näher und näher und plötzlich war ich sie am Küssen. Sie war so süß und weich, meine Hose spannte sich zu einem Zelt. Es war ein unglaublich süßer Schmerz, der bald mein Wesen erfasste. Ich war nicht nur stoned, ich war auch love-stoned.
Sie sagte: "Nein, ich kann nicht, der Tom ist immer so eifersüchtig. Er kann jeden Augenblick kommen! Er würde uns umbringen!"
Ich glaubte ihr und sagte: "Ich weiß, ich tu so etwas auch nicht. Lass uns noch einen Joint rauchen!"
Ich wollte noch einen Joint drehen, ich schwör's, aber ich klebte an ihrem Mund, der so schön weich war und an diesem Abend so gut schmeckte. Und ich klebte daran, mein Herz pochte wie wild, ich konnte mich nicht von ihr losreißen. Meine Hose war schon ganz nass und meine Lenden schrien laut nach Erfüllung, wollten nur noch alles rausschießen.
Da sagte sie: "Machen wir es am Boden!"
...

Tja, der Rest ist in Kaffee mit Latte Der Quantenf**k-Roman zu lesen, der hoffentlich bald erscheinen wird...